Vorfertigung wird zur Notwendigkeit
VÖPE sieht grundlegende Transformation am Bau
von Stefan Posch
Roman Fritz-Salamon, Sabine Müller und Andreas Kött © ALBA Communications
VÖPE-Präsident Andreas Köttl betonte die Verantwortung der Projektentwickler: „Mit jeder Quartiersentwicklung, jedem Wohn- oder Gewerbeprojekt werden langfristige Weichen für räumliche, soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklungen gestellt. Bauweise, Energieeffizienz und Flächennutzung beeinflussen unseren ökologischen Fußabdruck maßgeblich.“ In fünf breit aufgestellten Ausschüssen – Bauen, Corporate Strategy, Nachhaltigkeit, Recht & Finanzierung sowie Wohnen – arbeite man faktenbasiert und zukunftsorientiert an Lösungen für die drängenden Themen der Branche. Die Ergebnisse würden sowohl in die Mitgliedsunternehmen als auch an politische Entscheidungsträger getragen.
Ein konkretes Beispiel für diesen Input sei die angekündigte Vereinfachung der UVP-Verfahren durch die Bundesregierung. „Dafür haben wir uns viele Jahre eingesetzt“, so Köttl. Ziel bleibe es, Verfahren zu beschleunigen, Vereinheitlichungen voranzutreiben und leistbares Bauen zu ermöglichen. Ein Großteil der VÖPE-Vorschläge habe bereits Eingang in das Regierungsprogramm gefunden.
Die Bauwirtschaft stehe vor einer grundlegenden Transformation, erklärte Roman Fritz-Salamon (Strabag AG), Vertreter des VÖPE-Ausschusses Bauen. Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Effizienz sowie der Druck auf Realisierungszeiten erforderten neue Ansätze. Ein zentraler Hebel sei die Vorfertigung: „Dabei wird die Wertschöpfung von der Baustelle in industrielle Produktionsstätten verlagert. Fertige Bauteile werden mit minimalen Emissionen auf dem Baufeld montiert“, so Fritz-Salamon. Serielles und modulares Bauen, KI in der Projektentwicklung sowie die Weiterentwicklung und Standardisierung von BIM-Prozessen seien dabei zentrale Themen. Ziel sei es, Planung, Ausschreibung und Ausführung durchgängig und effizient zu gestalten.
Wichtig sei jedoch: Vorfertigung bedeute keine uniforme Serienarchitektur. „Flexible Architektur bleibt möglich“, betont Fritz-Salamon. Vielmehr gehe es darum, Standards entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu etablieren, Prozesse anzupassen und dadurch schneller, effizienter und ressourcenschonender zu bauen. Die Entwicklung gehe bis hin zu modularen Raumzellen, die sich auch für Aufstockungen eignen. Klar sei aber auch: Der Aufbau entsprechender Produktionsstrukturen erfordere hohe Investitionen – und Akzeptanz entlang der gesamten Stakeholderkette.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema Bodenversiegelung. Sabine Müller, VÖPE-Vorständin und Vorständin der Wien 3420 Development AG, sprach sich für eine sachliche, datenbasierte Diskussion aus. „Die Debatte über Bodenversiegelung braucht Klarheit statt Schlagworte“, so Müller. Begriffe wie Flächenverbrauch, Versiegelung oder Bebauungspotenzial würden häufig unterschiedlich verwendet und interpretiert – sowohl in der öffentlichen Diskussion als auch in politischen Prozessen. Der VÖPE-Ausschuss Nachhaltigkeit hat daher ein Glossar mit 99 Begriffen – von A wie Acker-Grünland bis Z wie Zwischennutzung – erarbeitet, um eine gemeinsame fachliche Grundlage zu schaffen. Entscheidend sei nicht nur, wie viel gebaut werde, sondern wie und wo. „Wachstum muss kompakt gebündelt werden – denn nur eine kompakte Stadt ist eine nachhaltige Stadt“, betont Müller. Die „Stadt der kurzen Wege“ sei dabei Leitbild und Ziel zugleich.
Die Botschaft ist klar: Bauen muss schneller, effizienter und nachhaltiger werden – und die Rahmenbedingungen müssen diesen Wandel ermöglichen.







