Erste Preissteigerungen am Zinshausmarkt
Transaktionsvolumen und Nachfrage ziehen wieder an
von Stefan Posch
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Eugen Otto sieht aber eine veränderte Käuferklientel. Die üblichen Player am Zinshausmarkt seien aufgrund ihrer Altlasten stark unter Druck und hätten oft nicht den Bewegungsspielraum für Ankäufe. Dafür gebe es jetzt eigenkapitalstarke Investoren, die in der Vergangenheit "oft nicht gut behandelt wurden". "Viele dieser Investoren wurden in der Boomphase in Bieterprozessen und schnelle Entscheidungen gedrängt und mussten ihre Angebote oft aufbessern, um ein Objekt zu bekommen. Deswegen hätten sich viele eigenkapitalstarke Investoren sich von diesem Segment abgewendet. Das Blatt hat sich nun gewendet, jetzt können Investoren sich in Ruhe zurücklehnen und beobachten, was an guter Ware auf dem Markt kommt", erklärt Otto, der auch darauf hinweist, dass die drei größten Zinshaus-Transaktionen im Jahr 2024 ausschließlich mit Eigenkapital finanziert wurden. Otto sieht aber auch ein steigendes Interesse von Zinshausentwickler, die "ihr Kapital nicht verbrannt haben". Zudem kommen neue, junge Player auf dem Markt, die mit Eigenkapital und Mut in den Markt drängen. Otto rechnet damit, dass die Transkaktionszahlen weiter steigen. Wenn sich alte und neue Marktteilnehmern preislich aufeinander zubewegen und auch die Banken mitspielen dann glaubt Otto an eine nachhaltige Stabilität. "In den nächsten zwei, drei Jahren wird es einen stabilen und langsam in die Höhe gehenden Markt geben", so Otto. Trotzdem müsse man vorsichtig walten lassen, da viele Player "ihre Altlasten noch nicht verdaut haben. Aber die gute Ware hat nach wie vor Saison", meint Otto.
Dass ein Wiener Zinshaus ein endliches Gut ist, zeigt die Anzahl der Gründerzeit-Zinshäuser, die weiter sinkt und aktuell bei 13.439 Objekten liegt, was einem Rückgang von 13,5 % seit 2009 entspricht. Hauptursache bleibt die Umwandlung in Wohnungseigentum. „Der kontinuierliche Rückgang des Bestands an Gründerzeit-Zinshäusern verdeutlicht den anhaltenden strukturellen Wandel auf dem Wiener Immobilienmarkt. Gleichzeitig sehen wir eine Belebung der Marktaktivitäten und eine Stabilisierung der Preise“, sagt Martin Denner, Leiter der Research-Abteilung bei Otto Immobilien.
Veränderungen stehen bei den Share Deals an. "Der Share Deal ist in Gefahr. Die Bundesregierung hat im Programm, den Share Deal flächendeckender der Grunderwerbssteuer anzupassen. Es gibt gute Gründe, warum Vorgängerregierungen das nicht zu gemacht haben", erklärt Florian Schmidl, Partner bei Forvis Mazars Austria. "In Deutschland wurde das bereits vor 5 Jahren so gemacht. Außer Unsicherheit herrscht dort gar nichts", gibt er zu bedenken. Rechtsunsicherheit sei in dieser Zeit gerade das, was es nicht braucht. Ähnlich wie bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer geht Florian Schmidl davon aus, dass die Maßnahme verfassungsrechtlich nicht halten wird.